Gedichte
ANTWORTSTIMMEN
Im Jahr 1958 veröffentlichten Hendri und Matias Spescha im Verlag Desertina in Disentis ein Büchlein mit dem Titel SINZURS, das für die romanische Literatur eine absolute Neuheit bedeutete. Die Neuheit bestand zunächst darin, dass zwei Autoren, ein Dichter und ein gestaltender Künstler, gemeinsam ein Werk herausgaben, in dem beide Gleichwertiges schufen. Die graphische Gestaltung behauptete sich mit gleicher Selbständigkeit wie das dichterische Wort. Neu war auch Hendri Speschas Lyrik, in Form, Ton und Inhalt. Der freie Vers, ohne regelmässiges Metrum und ohne Reim, wurde hier praktisch erstmals in romanischen Gedichten benutzt. Inhaltlich war man hier fern von der traditionellen Thematik, sei sie heimatlich, religiös oder historisch-episch. Hier wurden Stimmungen evoziert, kurze, fluchtartig erfasste Wahrnehmungen in äusserst knappe Worte gefasst, ohne dass wirklich ersichtlich wurde, wer hier sprach, welches "lyrische Ich" sich hier vernehmen liess.
Das Büchlein, schon längst vergriffen, enthält elf Gedichte, unter denen sich leicht Verschiedenheiten ausmachen lassen. Das erste, Il Segner ei buns, hat deutlich religiösen Charakter, die beiden letzten verraten poetologische Überlegungen. Es sind die übrigen acht, die am Eindrücklichsten den eigentlichen neuen Ton der Lyrik Hendri Speschas bezeugen.
Sowohl Felix Giger als auch Angel Crespo und Maranna Blöchlinger haben auf die Bedeutung und die Eigenheiten dieses Gedichtzyklus' hingewiesen.