Hendri Spescha signatur

Literarisches Werk

GEDICHTE

Für den jungen Hendri Spescha war die dichterische Form nichts Unbekanntes. In seiner (romanischen) Umgebung lebten Männer, die Gedichte schrieben und publizierten: Sep Mudest Nay, ein Onkel; Gion Cadieli, Carli Fry, Gion Battesta Sialm, drei in Trun tätige Geistliche. Von früheren Dichtern war in Haus und Schule oft die Rede: von Giachen Hasper Muoth, Giachen Michel Nay, Flurin Camathias, Alfuns Tuor, Gian Fontana und manchen anderen. Viele Gedichte waren zugänglich durch die katholische Liturgie, durch den Chorgesang, durch den Gesang in der Schule und in Gesellschaft.

Hendri Spescha muss schon als Kind für diese Form des sprachlichen Ausdrucks besonders empfänglich gewesen sein. Ein Zeugnis für diese Ansprechbarkeit mag man in seiner Erzählung Als ich den Glauben verlor finden, wo man ihn mit starker innerer Ergriffenheit ein Gedicht von Gion Cadieli vortragen sieht.

Es erstaunt somit nicht, dass Hendri Spescha schon während der Zeit, als er sich in Chur zum Lehrer ausbilden liess, zu dichten anfing. Impulse dazu kamen von verschiedenen Seiten. Sicher hat Ramun Vieli, Lehrer für romanische Sprache und Literatur, die Neigung Hendri Speschas zur Lyrik und zur Lektüre von Gedichten genährt und gestärkt. Dazu kam die Liebesbeziehung zu einer Schulkollegin, Isabella Furrer, die das Gymnasium besuchte, und mit der er Rilke, Hofmannsthal, vielleicht auch Trakl, ganz gewiss Heinrich Leuthold las. Dass Hendri Spescha seine ersten Gedichte auf deutsch verfasste, lässt sich wahrscheinlich durch diese Lektüre erklären.

Das erste Mal kam Hendri Spescha durch zwei Gedichte an die Öffentlichkeit, die sein früherer Geschichtslehrer und späterer Freund Guglielm Gadola, Redaktor der Jahresschrift Igl Ischi, 1952 im Band des Jahrgangs 38 veröffentlichte. Gezeichnet waren sie mit dem Pseudonym Renatus. Damit war ein Anfang gemacht, doch unseres Wissens musste man bis 1958 warten, bis wieder Gedichte aus seiner Feder erschienen, nämlich in dem zusammen mit seinem Bruder Matias herausgegebenen Band SINZURS. Später erschienen die Bände alla notg, SENDAS, PER TEI E PER MEI. Das letzte grosse Unternehmen, PELEGRINADI, blieb unvollendet. Ein Fragment erschien nach Hendri Speschas Tod.

Wie das lyrische Schaffen Hendri Speschas einerseits von ihm selber verstanden und andererseits von Kennern wie Iso Camartin, Felix Giger, Marianne Blöchlinger-Spescha, Angel Crespo und anderen gelesen und beurteilt wurde, steht unter dem Titel Zum Werk. (FMS)